Décalibre
Das Uhrmacher-Journal

George Daniels' Koaxialhemmung: die moderne Revolution

Über zwei Jahrhunderte lang herrschte der Schweizer Ankergang unangefochten. Doch am Ende des 20. Jahrhunderts brachte ein genialer unabhängiger Uhrmacher, George Daniels (1926-2011), die Branchenriesen mit einer revolutionären Erfindung ins Wanken: der Koaxialhemmung – deren Durchsetzung er fast dreißig Jahre lang erkämpfen musste.

Der verborgene Makel des Schweizer Ankers

Bei der traditionellen Ankerhemmung wird der Impuls durch Gleiten übertragen: Der Radzahn reibt an der Hebungsfläche der Palette, bevor er sie verlässt. Dieses Gleiten erfordert eine Schmierung mit einem sehr feinen epilamierten Öl (Moebius 9415). Mit der Zeit oxidiert dieses Öl jedoch, wandert ab und verliert seine Eigenschaften. Die Folge: Amplitude und Gang verschlechtern sich mit der Zeit – abhängig von Nutzung, Umgebung und Schmierung. Daher nennen die meisten Hersteller ein Richtintervall von 5 bis 7 Jahren, nie eine allgemeingültige Frist.

Daniels' Einfall: der Wechsel zur Rollreibung

Daniels verwandelte das Gleiten in eine nahezu reine Rollbewegung. Seine Hemmung nutzt drei auf zwei Ebenen verteilte Paletten (daher „koaxial“) sowie zwei koaxial übereinander angeordnete Ankerräder, die so ineinandergreifen, dass der Impuls fast senkrecht zur Palettenfläche erfolgt. Das Gleiten wird nicht vollständig beseitigt, aber um einen Faktor von etwa 8 bis 10 reduziert. Die unmittelbare Folge: Die Schmierung wird viel weniger kritisch, und der Palettenverschleiß sinkt drastisch.

Der lange Weg durch die Wüste

Daniels beginnt 1974 mit der Entwicklung des Konzepts. Es vergehen sechs Jahre der Feinabstimmung, bis er sein Patent 1980 anmeldet. Er stellt seine Erfindung Patek Philippe, Rolex und Audemars Piguet vor – überall höfliche Ablehnung. Die Industrie hatte Jahrzehnte in die Werkzeuge des Schweizer Ankers investiert und hatte keinerlei Appetit auf ein System, das ihre Bestände obsolet machen würde. Erst 1999 industrialisiert Omega, unter dem Impuls von Nicolas Hayek, die Koaxialhemmung im Kaliber 2500. Heute ist die gesamte mechanische Kollektion von Omega damit ausgestattet (Master Chronometer, Kaliber 8500 und Nachfolger).

Koaxial gegen Schweizer Anker: das Duell

Vorteil der Koaxialhemmung: der Gang wird deutlich unabhängiger vom Zustand des Öls auf den Paletten, was die langfristige Gangstabilität verbessert und den Palettenverschleiß verringert. Nachteile: komplexere Fertigung (zwei koaxiale Räder), Empfindlichkeit bei der Erstjustierung, höhere Fertigungskosten. Deshalb bleibt der Schweizer Anker bei Einstiegs- und Mittelklassekalibern dominant, während die Koaxialhemmung zu einem Langlebigkeitsargument für die industrielle Haute Horlogerie geworden ist.

Häufige Fragen

Ist die Koaxialhemmung exklusiv für Omega?
Omega hält die industrielle Lizenz. Daniels selbst fertigte rund dreißig koaxiale Stücke, und Roger W. Smith (sein Schüler) stellt sie weiterhin von Hand auf der Isle of Man her.

Benötigt eine koaxiale Omega wirklich seltener eine Revision?
Omega empfiehlt offiziell eine vollständige Revision alle 5 bis 8 Jahre, ohne Unterschied zwischen Koaxialwerk und Schweizer Anker. Der wirkliche Vorteil der Koaxialhemmung liegt nicht in einer verlängerten, offiziell angegebenen Laufzeit, sondern darin, dass der Gang weniger vom Zustand des Öls auf den Paletten abhängt: sie hält ihre Leistung zwischen zwei Revisionen tendenziell besser.

Gibt es weitere alternative moderne Hemmungen?
Das Genequand-Silizium-Konzept (LVMH), die Federzughemmung von Urban Jürgensen, die Constant-Hemmung von Audemars Piguet. Keine hat den industriellen Maßstab der Koaxialhemmung erreicht.

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