„Alles gereinigt, zusammengebaut — und die Amplitude ist katastrophal.“ In neun von zehn Fällen liegt es an der Schmierung: falsche Schmierstofffamilie, falsche Menge oder Öl auf einem noch schmutzigen Teil. Hier die vollständige Logik, Bauteil für Bauteil.
Das eine Prinzip
Je höher die Geschwindigkeit und je geringer die Last, desto dünner das Öl. Je höher die Last und je langsamer die Bewegung, desto dicker der Schmierstoff, bis hin zum Fett. Deshalb erhält der Unruhzapfen ein sehr dünnes Öl, die Federhauswand dagegen Fett. Unsere Tabelle der Schmierstellen fasst alles auf einer zitierfähigen Seite zusammen.
Bauteil für Bauteil
Unruhzapfen: sehr dünnes Öl, ein halber Ölertropfen in die Ölsenke, nie auf einen falsch montierten Deckstein. Schnelles Räderwerk (Sekundenrad, Hemmungsrad): dünnes Öl, ein zentrierter Meniskus ohne Überlaufen auf die Platine. Langsames Räderwerk (Zentrum, Kleinbodenrad): mittleres Öl. Paletten und Hemmungsrad: Hemmungsfett als Spur auf drei bis vier Zähne, das Rad verteilt es weiter — Epilame gegen Wanderung empfohlen. Federhaus: Zugfederfett als dünner Film an der Wand, dazu Kern und Deckel. Aufzugswelle, Winkelhebel, Kupplungswippe: Fett nur an Kontaktpunkten. Automatik-Wechsler: spezielles Wechsleröl, als Spur, niemals Fett.
Mengen: das eigentliche Können
Ein zu großer Tropfen ist schlimmer als keiner: er läuft über, wandert kapillar am Zapfen entlang, erreicht Hebescheibe oder Spirale und lässt die Amplitude in wenigen Wochen einbrechen. Man arbeitet mit einem Satz nach Spitzendurchmesser codierter Öler, unter dem Stereomikroskop, und zielt auf einen Meniskus, der in der Ölsenke bleibt. Werkstattregel: berührt der Tropfen den Rand der Senke, ist er zu groß.
Die fünf wiederkehrenden Fehler
Ein schlecht gereinigtes Werk ölen (Öl verpappt Schmutz); ein einziges „Universalöl“ überall verwenden; unverträgliche Familien durch Nachölen ohne Komplettreinigung mischen; Radzähne ölen (sie werden nicht geschmiert); Epilame an der Hemmung weglassen und sich über Ölwanderung wundern. Dazu ein unsichtbarer Fehler: seit Jahren offene Öle weiterverwenden — Uhrenöle oxidieren und gehören lichtgeschützt gelagert.
Häufige Fragen
Genügt ein Öl für das ganze Werk?
Nein. Die nötigen Viskositäten reichen von sehr flüssig (Unruhzapfen) bis Fett (Federhaus, Aufzug): ein einziges Öl bringt entweder zu viel Reibung oder einen Film, der nicht hält.
Werden Radzähne geölt?
Nein. Uhrenverzahnungen laufen trocken; geschmiert werden nur Zapfen, Paletten und stark belastete Bauteile.
Wie oft neu schmieren?
Die Schmierung wird bei einer vollständigen Revision mit Reinigung erneuert, je nach Nutzung alle 4 bis 7 Jahre. Öl in ein laufendes Werk zu geben, ist eine Scheinlösung.
Sie stellen Ihr Ölset zusammen? Unser Blatt Öle und Öler nennt Auswahlkriterien, Budget und typische Fehler.