Räderwerk & Übertragung·3 Min. Lesezeit·Fortgeschritten

Wie ein Chronograph funktioniert: Schaltrad, Kupplung und Nullstellung

Drücker, Schaltrad oder Kulisse, horizontale oder vertikale Kupplung, Hämmer und Herzen: der Chronographenmechanismus Schritt für Schritt erklärt.

Ein Chronograph ist eine Uhr, die neben der Zeit auch kurze Zeitspannen misst, mit mindestens einem zusätzlichen Zeiger. Dieser Zeiger startet, stoppt und springt auf Knopfdruck auf null zurück, ohne den Gang der Uhr zu stören. Drei Baugruppen teilen sich die Arbeit: eine Steuerung, eine Kupplung und eine Nullstellvorrichtung.

Drei Drücke, drei Befehle

Einmal drücken, der Zeiger läuft los. Ein zweites Mal, er hält an. Der Nullstelldrücker schickt ihn zurück auf zwölf. Laut der Fondation Haute Horlogerie laufen diese Befehle über ein Steuersystem aus Drückern, Hebeln und einem Steuerrad. Es betätigt eine Kupplung, die den Chronographen mit dem Räderwerk der Uhr verbindet oder davon trennt.

Am Handgelenk wirkt die Geste einfach. Im Werk löst sie eine kleine Choreografie von Hebeln aus, die jedes Mal in genauer Reihenfolge arbeiten müssen.

Das Schaltrad, der traditionelle Dirigent

Das Schaltrad koordiniert die Phasen des Chronographen: Start, Stopp und Nullstellung. Es trägt einen Kranz kleiner Säulen. Bei jedem Druck rückt es einen Schritt weiter, und die Hebelschnäbel fallen zwischen zwei Säulen oder liegen darauf auf. Wer den Boden eines solchen Chronographen öffnet, entdeckt es oft als erstes Teil, mit seiner polierten Kappe.

Dieselbe Quelle hält fest, dass das Schaltrad in Chronographen üblicher Qualität durch ein Kulissensystem ersetzt wird, das die Stiftung als „rationeller“ bezeichnet. Eine Kulisse ist ein geformtes Teil, dessen Profil die Hebel führt. Sie erfüllt dieselbe Steuerfunktion mit einer einfacher herzustellenden Konstruktion.

Die Kupplung: horizontal oder vertikal

Die Fondation Haute Horlogerie unterscheidet zwei Familien. Die horizontale, auch seitliche Kupplung bringt Zahnräder nebeneinander in Eingriff. Die vertikale Kupplung verbindet übereinanderliegende Teile auf derselben Achse. In beiden Fällen gilt: Solange die Kupplung offen ist, steht der Chronographenzeiger still, während die Uhr weitertickt.

Hämmer und Herzen: zurück auf null

Um die Zeiger zurückzustellen, drücken „Hämmer“ auf „Nullstellherzen“, die auf den Achsen der Chronographenzeiger sitzen. Das Herz trägt seinen Namen zu Recht: Seine Form sorgt dafür, dass der Hammer es, wo immer er auftrifft, in dieselbe Lage dreht. Dieses Profil bringt den Zeiger genau auf zwölf zurück, ganz gleich, wie lange gemessen wurde.

Die Zähler lesen

Der große Chronographen-Sekundenzeiger sitzt meist in der Mitte, wo er sich am besten ablesen lässt. Er bewegt sich im Takt der Unruh: Die Stiftung nennt als Beispiel 6 Sprünge pro Sekunde bei 3 Hz oder 10 bei 5 Hz. Zähler summieren dann die gemessenen Minuten und manchmal Stunden.

Der Minutenzähler kann auf drei Arten vorrücken: „schleppend“, langsam und stetig; „halbspringend“, von einem Finger ab etwa der 58. Sekunde mitgenommen; oder „springend“, mit einem Satz beim Durchgang des Sekundenzeigers über die 60. Wer diesen Zähler beobachtet, während der Sekundenzeiger seine Runde beendet, erkennt die Bauart einer Uhr, ohne sie zu öffnen.

Integriert oder als Modul

Der Mechanismus kann ins Werk integriert oder als Modul daraufgesetzt werden. Die Stiftung beschreibt die integrierte Lösung als edler und teurer in der Entwicklung; das Modul erlaubt es, ein einziges Basiswerk mit verschiedenen Komplikationen zu versehen.

Ein wenig Geschichte

1816 baute der Pariser Louis Moinet seinen „compteur de tierces“, der Sechzigstelsekunden anzeigte. 1821 stellte Nicolas Mathieu Rieussec bei einem Pferderennen ein Gerät vor, das einen Tintentropfen auf ein drehendes Zifferblatt setzte: daher das Wort „Chronograph“, „Zeitschreiber“. Die erste moderne Ausführung mit Start, Stopp und Nullstellung entstand um 1861 im Vallée de Joux durch Henri-Ferréol Piguet. 1969 kamen die ersten automatischen Chronographen, darunter der Chronomatic und das El Primero von Zenith (Fondation Haute Horlogerie).

Häufige Fragen

Warum bewegt sich der Chronographenzeiger in kleinen Sprüngen?

Weil er dem Takt der Unruh folgt: 6 Sprünge pro Sekunde bei 3 Hz, 10 bei 5 Hz, so die Fondation Haute Horlogerie.

Ist ein Chronograph zwangsläufig genau?

Laut der Fondation Haute Horlogerie ist die Genauigkeit der gemessenen Zeiten nur garantiert, wenn die Uhr die Kriterien des Chronometer-Labels erfüllt hat. Unser Artikel Chronograph oder Chronometer erklärt den Unterschied.

Weiterlesen

Das Modul Chronograph der Schule zerlegt diesen Mechanismus Teil für Teil, und das Modul Flyback-Chronograph zeigt, wie eine Messung mit einem einzigen Druck neu startet. Was den Sekundenzeiger antreibt, erklärt unser Artikel über die Unruh; danach geht es weiter in der Décalibre-Schule.

Quellen

Die in diesem Artikel verlinkten Kursmodule sind auf Französisch verfügbar.